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Was kostet Dolibarr? Eine ehrliche Aufstellung für den deutschen Mittelstand

„Was kostet Dolibarr?“ ist eine Frage, die im Mittelstand häufig gestellt wird — und auf den meisten Webseiten unbefriedigend beantwortet. Entweder steht dort „Open Source = kostenlos“ (was nur die halbe Wahrheit ist) oder es kommt gar keine Zahl, sondern ein Kontaktformular. Beides hilft niemandem, der eine seriöse Budget-Planung vorbereiten muss.

Diese Seite ordnet die Kosten in die fünf Positionen ein, die in der Praxis bei jedem Dolibarr-Projekt auftauchen: Lizenz, Hosting, Setup, Wartung, Schulung. Anschließend gibt es eine Beispielrechnung für drei typische Betriebsgrößen und einen ehrlichen Abschnitt dazu, wann sich Dolibarr nicht lohnt. Die Zahlen stammen aus eigenen Projekten und Marktbeobachtung — keine Lehrbuch-Werte.

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Lizenz — die einfachste Position

Dolibarr ist GPLv3-lizenziert. Das bedeutet: 0 € laufende Lizenzkosten, egal ob fünf oder zweihundert Nutzer das System verwenden. Es gibt keine Per-User-Gebühr, keine Modul-Aktivierung gegen Aufpreis, keine Mengenstaffel.

Das ist der größte strukturelle Unterschied zu kommerziellen Alternativen, die im Mittelstand üblich sind:

Anbieter Lizenzmodell Größenordnung
Lexware Pro / Premium pro Nutzer pro Monat ~50-200 €/Monat/Nutzer
sevDesk pro Nutzer pro Monat ~10-50 €/Monat/Nutzer
orgaMAX pro Nutzer + Modulgebühren ~25-50 €/Monat/Nutzer + Module
Dolibarr GPLv3 0 €

Über fünf Jahre gerechnet kommt bei einem 20-Mitarbeiter-Betrieb schnell ein fünfstelliger Lizenz-Block zusammen, der bei Dolibarr komplett wegfällt. Das ist der eigentliche Hebel — nicht das „kostenlose Tool“, sondern die strukturelle Verschiebung der Kostenkurve.

Hosting — die laufende Position

Dolibarr läuft auf einem Standard-LAMP-Stack (Linux, Apache/Nginx, MariaDB/MySQL, PHP). Drei Optionen sind in der Praxis sinnvoll:

Shared-Hosting beim deutschen Anbieter — für kleine Setups bis ungefähr 10 Mitarbeiter. Anbieter wie all-inkl.com, Webhostlist oder Hetzner-Shared bieten passende Pakete ab 15-40 €/Monat. Reicht funktional, hat aber Grenzen bei Performance und individueller Server-Konfiguration.

Eigener Server bei deutschem Hoster — für mittelgroße Setups von 20-100 Mitarbeitern. Hetzner Cloud, IONOS, Cloud&Heat oder vergleichbare bieten dedizierte Server oder Cloud-Instanzen ab 50-150 €/Monat. Empfehlenswert ab dem Moment, wo mehrere Nutzer gleichzeitig im System arbeiten oder größere Datenmengen entstehen.

Eigene Infrastruktur — für große Setups oder kritische Anforderungen (z. B. regulierte Branchen, sehr hohe Datenschutz-Anforderungen). Üblich sind 100-400 €/Monat für die Hardware/Cloud zzgl. eigenes IT-Personal, das sich um Betrieb und Sicherheit kümmert.

Hosting-Tipp aus der Praxis: bei deutschen Hostern bleiben — nicht aus politischen Gründen, sondern weil bei DSGVO-Prüfungen und GoBD-Audits der Server-Standort klar dokumentiert sein muss. Ein US-Cloud-Hoster bringt regelmäßig Diskussionen, die niemand braucht.

Setup-Kosten — die einmalige Position

Hier teilen sich die Wege deutlich:

Self-Installation durch IT-affinen Mitarbeiter — 0 € Direktkosten, aber 20-80 Stunden Zeitaufwand für eine produktiv nutzbare deutsche Einrichtung. Das ist machbar, wenn jemand im Haus mit Linux-Servern und PHP-Anwendungen vertraut ist. Realistisch wird das selten — die meisten Mittelständler haben kein internes IT-Team, das nebenbei ein ERP-System aufsetzt.

Setup durch IT-Dienstleister — typischerweise 3.000-12.000 € einmalig für eine vollständige deutsche Einrichtung. Darin enthalten sind üblicherweise:

  • Server-Aufsetzung und Härtung (TLS, Backup-Konfiguration, Monitoring)
  • Dolibarr-Installation und DACH-Lokalisierung (Konten-Rahmen SKR03/SKR04, Steuersätze, Belege)
  • DATEV-Bridge oder DATEV-Export-Konfiguration
  • E-Rechnungs-Module (XRechnung, ZUGFeRD) für 2025+
  • Mandanten- und Rollen-Konfiguration, Benutzeranlage
  • Initiale Stammdaten-Übernahme (Kunden, Lieferanten, Artikel)

Migration aus Bestandssystem — zusätzlich 1.500-6.000 € abhängig von Datenmenge und Komplexität. Die Standardfälle (Lexware, sevDesk, orgaMAX) sind etabliert, weil die Export-Formate dieser Systeme bekannt sind. Schwieriger und teurer wird es bei alten Eigenentwicklungen oder exotischen Branchenlösungen.

Wartung — die laufende Position

Ein produktives ERP-System will gepflegt werden. Auch hier zwei Wege:

Self-Wartung — 0 € Direktkosten, aber realistisch 4-8 Stunden pro Monat für Updates, Backup-Kontrolle, Security-Patches, kleinere Anpassungen. Bei einem IT-affinen Mitarbeiter im Haus machbar — bei zwei Wochen Urlaub im Sommer wird es heikel.

Wartungs-Vertrag mit IT-Dienstleister — typisch 200-800 €/Monat je nach Service-Level. Im Vertrag enthalten sind üblicherweise:

  • Backup-Monitoring (täglich + wöchentlich)
  • Update-Management (Dolibarr-Core und Module, Server-Patches)
  • Security-Patches und CVE-Monitoring
  • Anwender-Support mit definierter Reaktionszeit
  • Kleinere Anpassungen im Rahmen eines Monatsbudgets

Die Bandbreite erklärt sich über die Reaktionszeit: 24h-Reaktion ist günstiger als 4h-Reaktion, Service nur Werktags günstiger als 24/7.

Schulung — die unterschätzte Position

Das ist die Position, die in den meisten Budget-Plänen zu kurz kommt. Pro Mitarbeiter mit zentraler Rolle (Buchhaltung, Vertrieb, Lager, Einkauf) sind 4-12 Stunden Einarbeitung realistisch — je nach Rolle und Vorerfahrung.

Marktpreis für externe ERP-Schulung: 80-150 €/Stunde pro Trainer. Inhouse-Schulung ist günstiger als Reise-Einsatz, Gruppen-Schulung günstiger als Einzelcoaching.

Alternative: E-Learning-Module mit deutschen Workflows. Wir bauen für DigiBasiX gerade eine Schulungsplattform auf, die typische KMU-Workflows in kurzen Video-Lektionen aufschlüsselt — das reduziert die Live-Trainer-Stunden auf das, was wirklich individuell ist.

Beispielrechnung für drei Betriebsgrößen

Konkrete Spannen, keine geglätteten Durchschnitte. Die untere Grenze gilt bei wenig Anpassungs-Bedarf und Standard-Workflows, die obere bei komplexer Migration und individueller Anpassung.

Setup-Größe Setup (einmal) Hosting (Monat) Wartung (Monat) Schulung (einmal) Gesamt Jahr 1 Folgejahre
Kleines KMU 5-15 MA 3.000-5.000 € 30-50 € 200-300 € 800-1.500 € 7.000-10.000 € 2.800-4.200 €
Mittleres KMU 20-50 MA 6.000-10.000 € 60-120 € 400-600 € 2.500-5.000 € 14.000-22.000 € 5.600-8.400 €
Größeres KMU 50-200 MA 10.000-25.000 € 100-400 € 600-1.500 € 5.000-15.000 € 23.000-60.000 € 8.500-23.000 €

Zum Vergleich: Lexware Pro oder orgaMAX kosten für 20-Mitarbeiter-Betriebe typisch 8.000-15.000 € pro Jahr dauerhaft (Lizenzen + Module + Support). Der Knackpunkt ist „dauerhaft“ — bei Dolibarr fällt der größere Block einmalig im ersten Jahr an, danach läuft es deutlich günstiger weiter.

Über fünf Jahre gerechnet liegt der mittlere KMU-Fall bei Dolibarr typisch bei 36.000-55.000 € Gesamtkosten, beim Lexware/orgaMAX-Vergleich bei 40.000-75.000 €. Die Spanne überlappt — aber Dolibarr hat die offene Skalierbarkeit, die kommerziellen Systeme nicht.

Wann sich Dolibarr nicht lohnt

Ehrlich gemacht — vier Konstellationen, in denen wir abraten:

Sehr kleine Betriebe unter 5 Mitarbeitern mit reinem Rechnungs-Bedarf. Wer nur Angebote schreiben, Rechnungen stellen und ans Steuerbüro übergeben will, ist mit Lexoffice oder dem sevDesk-Einsteiger-Tarif schneller am Ziel. Die Setup-Kosten von Dolibarr amortisieren sich erst, wenn mehrere Module ineinandergreifen.

Kein IT-Dienstleister UND keine eigene IT-Affinität. Dolibarr ist Open Source — das heißt, der Betrieb ist Ihre Verantwortung (oder die Ihres Dienstleisters). Wer keine technische Ansprechperson hat und auch keine möchte, ist mit einer Cloud-Lösung besser bedient, bei der der Anbieter den Betrieb übernimmt.

Spezielle Branchen mit hochintegrierten Spezial-Systemen. Wenn die zentrale Software bereits eine spezialisierte Branchenlösung ist (z. B. eine Maklersoftware mit SAP-Anbindung, ein Produktions-MES mit eigener Buchhaltung), bringt eine zusätzliche Dolibarr-Schicht eher Komplexität als Nutzen.

Wer Lizenz-Kosten nicht als Hebel sieht. Bei flacher Nutzerzahl und überschaubaren Workflows ist der Lizenz-Vorteil von Dolibarr klein. Wenn die kommerzielle Alternative gut passt und niemand sonst betroffen ist, lohnt der Wechsel-Aufwand möglicherweise nicht.

Das sind keine Verkaufs-Disqualifikationen, sondern Erfahrungswerte. Wir haben in jeder dieser Konstellationen schon abgesagt — und es ist für beide Seiten besser so.

Wie Basix IT abrechnet

Damit die Zahlen oben nicht im luftleeren Raum stehen, hier kurz, wie wir konkret arbeiten:

  • Erstgespräch: kostenlos, ca. 60 Minuten — wir schauen, ob Dolibarr für Ihren Fall passt
  • Audit + Setup-Konzept: 1.500-3.000 € Festpreis — Bestandsaufnahme, Workflow-Analyse, schriftliches Konzept mit konkretem Setup-Vorschlag
  • Setup-Umsetzung: nach Aufwand, mit Festpreis-Angebot nach Audit — keine Open-End-Stundenfalle
  • Laufender Service: monatlicher Wartungs-Vertrag, jederzeit zum Monatsende kündbar
  • Open-Book: was wir machen, ist im Wartungs-Ticket-System für den Kunden sichtbar — keine Black Box

Das ist nicht der einzig richtige Weg — andere Dolibarr-Partner arbeiten anders, manche mit reinem Stunden-Modell, manche mit Pauschalen. Wichtig ist nur, dass Sie vor Vertragsschluss wissen, was Sie bekommen und was nicht.

Häufige Fragen

Ist Dolibarr wirklich komplett kostenlos? Die Software-Lizenz ist GPLv3 und kostenlos — für immer, ohne Per-User-Gebühr, ohne Modul-Aufpreise. Der Betrieb (Hosting, Wartung, Schulung) kostet wie bei jedem ernsthaft genutzten ERP-System Geld. Niemand sollte „kostenlos“ mit „gratis im Gesamtbetrieb“ verwechseln.

Gibt es Mengenrabatt bei mehr Nutzern? Bei uns nicht — wir berechnen nach Aufwand, nicht nach Nutzern. Indirekt schon: größere Setups haben relativ niedrigere Pro-Mitarbeiter-Kosten, weil sich der Setup-Aufwand auf mehr Personen verteilt. Aber es gibt keine versteckte Nutzer-Lizenz, die teurer wird.

Was passiert, wenn wir später den Dienstleister wechseln wollen? Open Source heißt: Sie behalten den Code, die Daten und alle Anpassungen. Ein Wechsel zu einem anderen Dolibarr-Partner ist technisch jederzeit machbar — die Datenbank ist standardisierte MariaDB/MySQL, die Konfiguration ist dokumentiert. Wir geben bei einem Wechsel die Server-Zugänge und Doku heraus, ohne Drama.

Sind die Setup-Kosten realistische Festpreise? Nach dem Audit-Gespräch geben wir Festpreis-Angebote — keine Stundenfalle. Wenn sich während der Umsetzung Zusatz-Anforderungen ergeben (was vorkommt), besprechen wir die separat mit eigenem Festpreis, bevor wir Arbeit reinstecken. Surprise-Rechnungen am Projektende gibt es bei uns nicht.

Was, wenn die Mitarbeiter mit dem System nicht klarkommen? Realistisch ist: jedes ERP-System hat eine Einarbeitungs-Kurve, auch die einfacheren. Wir bauen Schulungs-Zeit fest ins Setup-Konzept ein, und der Wartungs-Vertrag enthält Anwender-Support. Wenn nach drei Monaten klar ist, dass es trotzdem nicht passt, ist das selten und meist ein Zeichen, dass der Workflow-Analyse-Teil im Audit zu kurz kam.

Nächster Schritt

Wenn Sie eine konkrete Kostenrechnung für Ihren Fall brauchen, vereinbaren Sie ein Audit-Gespräch. Wir gehen Ihre aktuelle Situation durch (heutiges System, Mitarbeiter-Zahl, kritische Workflows, Wachstumsplan), und geben Ihnen anschließend eine schriftliche Einschätzung mit Setup-Spanne und laufenden Kosten. Kein Verkaufsdruck — wenn Dolibarr nicht passt, sagen wir das auch.


Verwandt im Dolibarr-Sub-Tree: Dolibarr ERP/CRM, Dolibarr Lagerverwaltung, Dolibarr für Handwerker, Dolibarr-Glossar